Excel, E-Mail und manuelle Übergaben: 7 Anzeichen, dass ein Prozess im KMU digitalisiert werden sollte

Eine Anfrage kommt per E-Mail, Daten werden nach Excel übertragen und der aktuelle Stand muss bei Kollegen erfragt werden. Jeder einzelne Schritt funktioniert – der gesamte Ablauf kostet trotzdem unnötig Zeit.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, was sich technisch digitalisieren lässt, sondern bei welchen Prozessen der manuelle Aufwand inzwischen zum echten Engpass wird.

Medienbrüche und doppelte Dateneingaben erkennen Status und Verantwortlichkeiten transparent machen Erst den Prozess klären, dann die Technik auswählen
Geschäftsprozesse digitalisieren

Viele manuelle Prozesse in KMU sind über Jahre gewachsen. Neue Anforderungen kamen hinzu, weitere Excel-Dateien wurden ergänzt und Übergaben per E-Mail haben sich etabliert.

Das macht einen Prozess nicht automatisch schlecht. Interessant wird es dort, wo wiederkehrende Handarbeit, Fehler oder fehlende Transparenz messbar Zeit kosten. Sieben typische Anzeichen zeigen, wann sich ein genauerer Blick lohnt.

Was bedeutet es, einen Prozess zu digitalisieren?

Einen Prozess zu digitalisieren bedeutet nicht, ein Papierformular durch ein PDF zu ersetzen oder eine Excel-Datei in die Cloud zu verschieben.

Ein guter digitaler Prozess reduziert unnötige Übergaben und sorgt dafür, dass Informationen dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden.

Informationen nur einmal erfassen
Aufgaben eindeutig zuweisen
Status zentral sichtbar machen
Systeme miteinander verbinden
Freigaben strukturiert abbilden
Wiederkehrende Schritte automatisieren

Erst den Prozess verstehen. Dann die technische Lösung auswählen.

Denn nicht jeder Prozess benötigt neue Software. Häufig reichen eine bessere Nutzung bestehender Systeme, eine Integration oder eine gezielte Automatisierung.

01

1. Daten werden mehrfach in verschiedene Systeme übertragen

Eine Kundenanfrage kommt über die Website. Die Daten landen zunächst in Excel, später im CRM und nach Auftragserteilung noch einmal im ERP.

Jede einzelne Übertragung dauert nur wenige Minuten. Bei vielen Vorgängen entsteht daraus trotzdem relevanter Aufwand – und mit jeder manuellen Übertragung steigt das Risiko für Tippfehler oder unterschiedliche Datenstände.

Die entscheidende Frage: Warum müssen dieselben Informationen mehrmals von einem Menschen übertragen werden?
  • Schnittstellen zwischen vorhandenen Systemen
  • automatisierte Datenübertragung
  • zentrale Datenerfassung
  • klar definiertes führendes System
02

2. Der aktuelle Status ist nur durch Nachfragen bekannt

„Wie weit ist der Vorgang?“ oder „Wer kümmert sich gerade darum?“ sind typische Fragen in Prozessen, denen Transparenz fehlt.

Die Rückfrage selbst ist nicht das eigentliche Problem. Sie unterbricht mindestens zwei Personen und zeigt gleichzeitig, dass Status, Verantwortung oder nächster Schritt nicht zentral sichtbar sind.

  • aktueller Bearbeitungsstatus
  • verantwortliche Person
  • nächster Prozessschritt
  • fehlende Informationen und Fristen

Ob dafür ein CRM, BPM-System, Ticketsystem oder ein einfacher Workflow genutzt wird, ist zunächst zweitrangig. Entscheidend ist, dass der Status nicht nur in Postfächern oder Köpfen existiert.

03

3. Excel ist zur zentralen Prozessanwendung geworden

Excel ist für Analysen, Berechnungen und Listen hervorragend geeignet. Kritisch wird es, wenn eine Datei schrittweise zum eigentlichen Prozesssystem wird.

  • mehrere Dateiversionen sind im Umlauf
  • Spalten verwalten Status und Zuständigkeiten
  • Wiedervorlagen werden über Tabellen gepflegt
  • einzelne Personen kennen als Einzige die Logik
  • Daten werden aus E-Mails hinein- und später wieder herauskopiert

Dann sollte zuerst geklärt werden, welche Aufgabe Excel im Prozess tatsächlich übernimmt. Erst danach lässt sich entscheiden, ob ein vorhandenes System diese Funktion übernehmen kann.

04

4. Aufgaben werden hauptsächlich per E-Mail weitergegeben

E-Mail ist ein Kommunikationskanal, aber kein besonders gutes Workflow-System.

Wenn ein Prozess davon lebt, dass Nachrichten weitergeleitet, Personen in CC gesetzt und Aufgaben über den Posteingang verteilt werden, entstehen schnell unklare Verantwortlichkeiten.

  • Aufgaben verschwinden zwischen anderen Nachrichten
  • Vertretungen haben keinen vollständigen Überblick
  • der Bearbeitungsstand bleibt unsichtbar
  • Informationen verteilen sich über mehrere Verläufe

Ein definierter digitaler Workflow hält Aufgabe, Kontext und Bearbeitungsstatus an einem Ort zusammen.

05

5. Fehler entstehen regelmäßig an manuellen Übergaben

Wenn dieselben Fehler immer wieder an Übergabepunkten auftreten, liegt die Ursache häufig im Prozess und nicht bei einzelnen Mitarbeitern.

  • Informationen werden beim Übertragen vergessen
  • alte Dateistände werden weitergegeben
  • Pflichtangaben fehlen
  • Dokumente werden falsch zugeordnet
  • Freigaben oder Aufgaben werden übersehen

Pflichtfelder, automatische Prüfungen und strukturierte Übergaben können solche Fehler reduzieren. Der Nutzen liegt dann nicht nur in eingesparter Zeit, sondern auch in weniger Nacharbeit und Rückfragen.

06

6. Der Prozess hängt stark von einzelnen Personen ab

„Frag am besten Frau Müller, die weiß, wie das funktioniert.“ Dieser Satz ist harmlos, solange es um Erfahrung geht. Problematisch wird es, wenn ein wichtiger Prozess ohne einzelne Personen kaum funktioniert.

  • bei Urlaub bleiben Vorgänge liegen
  • Vertretungen können nur eingeschränkt übernehmen
  • neue Mitarbeiter brauchen lange Einarbeitungszeiten
  • Prozesswissen steckt in persönlichen Ordnern oder Postfächern

Digitalisierung soll Erfahrung nicht ersetzen. Sie soll Standardabläufe so transparent machen, dass Erfahrung dort eingesetzt werden kann, wo sie tatsächlich gebraucht wird.

07

7. Mehr Volumen bedeutet automatisch mehr Personalaufwand

Ein Prozess kann bei 50 Vorgängen pro Woche problemlos funktionieren und bei 150 Vorgängen plötzlich zum Engpass werden.

Wenn jede zusätzliche Anfrage fast proportional mehr manuelle Arbeit erzeugt, skaliert der Ablauf nicht.

Dann lohnt sich die Frage: Welche Arbeitsschritte wachsen direkt mit dem Volumen – und welche davon lassen sich reduzieren oder automatisieren?
  • Datenerfassung und Zuordnung
  • Statusupdates und Benachrichtigungen
  • Standardkommunikation
  • Dokumentenerstellung
  • Datenübertragung zwischen Systemen

Nicht jeder manuelle Prozess muss digitalisiert werden

Manuelle Arbeit ist nicht automatisch schlecht. Ein Ablauf, der wenige Male pro Jahr vorkommt, kaum Zeit kostet und keine relevanten Fehler verursacht, benötigt möglicherweise überhaupt keine technische Lösung.

Die bessere Frage lautet daher:

Wo verursacht der manuelle Ablauf einen relevanten wirtschaftlichen Nachteil?

01

Wie häufig läuft der Prozess?

02

Wie viel Arbeitszeit bindet er?

03

Wie häufig entstehen Fehler oder Rückfragen?

04

Wie viele Personen und Systeme sind beteiligt?

05

Was passiert mit dem Aufwand, wenn das Volumen steigt?

Je häufiger ein Prozess vorkommt und je stärker Zeitaufwand, Fehler oder Abhängigkeiten ins Gewicht fallen, desto interessanter wird eine Digitalisierung.

Prozess digitalisieren: Welche Lösung ist die richtige?

Ist ein Prozess als Digitalisierungskandidat identifiziert, sollte nicht sofort nach neuer Software gesucht werden. Sinnvoller ist eine Prüfung in mehreren Stufen.

1

Bestehenden Prozess vereinfachen

Unnötige Schleifen und Arbeitsschritte sollten entfernt werden, bevor sie digital abgebildet werden. Ein schlechter Prozess wird durch Automatisierung nicht automatisch besser.

2

Vorhandene Systeme prüfen

Viele Unternehmen nutzen nur einen Teil der Funktionen ihrer vorhandenen Systeme. Ein CRM, ERP oder DMS kann den gewünschten Ablauf möglicherweise bereits unterstützen.

3

Systeme miteinander verbinden

Entsteht der Aufwand vor allem durch manuelle Datenübertragung, kann eine Schnittstelle sinnvoller sein als die Einführung einer weiteren Plattform.

4

Wiederkehrende Schritte automatisieren

Klare, regelbasierte Aufgaben wie Zuordnungen, Benachrichtigungen, Datenübertragungen oder Dokumentenprozesse lassen sich häufig gut automatisieren.

5

Neue Software erst dann prüfen

Eine neue Lösung wird erst dann interessant, wenn der gewünschte Prozess mit der vorhandenen Systemlandschaft nicht sinnvoll abgebildet werden kann.

Ein einfaches Beispiel: Von der E-Mail zum durchgängigen Prozess

Nehmen wir eine eingehende Kundenanfrage. Der Unterschied zwischen einem manuellen und einem digitalen Ablauf lässt sich daran gut erkennen.

Heute
Anfrage per E-Mail Daten nach Excel übertragen Zuständigkeit per E-Mail klären Rückmeldung manuell erstellen Daten später im CRM nachpflegen
Möglicher Zielprozess
Anfrage zentral erfassen Informationen strukturiert übernehmen Zuständigkeit automatisch setzen Aufgabe und Frist erstellen Bearbeitung zentral dokumentieren

Der Unterschied ist nicht, dass mehr Software eingesetzt wird. Der Unterschied ist, dass unnötige manuelle Übergaben aus dem Prozess verschwinden.

Prozesse digitalisieren: Mit einem klar abgegrenzten Prozess beginnen

KMU müssen nicht gleichzeitig das gesamte Unternehmen digitalisieren. Ein guter Einstieg ist ein einzelner Ablauf, bei dem der Handlungsbedarf bereits sichtbar ist.

hoher manueller Aufwand viele Wiederholungen mehrere Medienbrüche häufige Rückfragen doppelte Dateneingaben Abhängigkeit von Einzelpersonen steigendes Bearbeitungsvolumen

Der Ablauf sollte zuerst fachlich verstanden und vereinfacht werden. Erst danach wird entschieden, welche Technik sinnvoll ist.

Problem erkennen
Prozess verstehen
Schritte vereinfachen
Lösung auswählen
technisch umsetzen
Nutzen messen

So wird Prozessdigitalisierung nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem klar abgegrenzten Verbesserungsprojekt.

FAQ zum Digitalisieren von Prozessen

Welche Prozesse eignen sich besonders gut zur Digitalisierung?

Besonders interessant sind wiederkehrende Prozesse mit hohem manuellem Aufwand, mehreren Übergaben, häufigen Fehlern oder stark steigendem Volumen. Entscheidend ist nicht nur die technische Machbarkeit, sondern der wirtschaftliche Nutzen.

Was bedeutet Geschäftsprozesse digitalisieren?

Geschäftsprozesse zu digitalisieren bedeutet, Informationen, Aufgaben und Übergaben so zu gestalten, dass ein Vorgang möglichst durchgängig und nachvollziehbar bearbeitet werden kann. Dazu gehören beispielsweise zentrale Datenerfassung, Integrationen, Workflows und Automatisierungen.

Muss für die Prozessdigitalisierung neue Software eingeführt werden?

Nein. Häufig können bestehende Systeme besser genutzt, konfiguriert oder miteinander verbunden werden. Neue Software sollte erst dann eingeführt werden, wenn der benötigte Prozess mit der vorhandenen Systemlandschaft nicht sinnvoll abgebildet werden kann.

Welche Rolle spielt Excel bei der Prozessdigitalisierung?

Excel ist für Analysen und strukturierte Listen sehr nützlich. Problematisch wird es, wenn eine Datei dauerhaft Zuständigkeiten, Status, Wiedervorlagen und zentrale Prozessdaten verwalten muss.

Wie erkennt man einen schlechten manuellen Prozess?

Typische Warnsignale sind mehrfache Dateneingaben, viele Rückfragen zum Status, Fehler bei Übergaben, Aufgabenverteilung per E-Mail, starke Abhängigkeit von einzelnen Mitarbeitern und ein Arbeitsaufwand, der mit steigendem Volumen nahezu proportional wächst.

Wie sollte ein KMU mit der Digitalisierung eines Prozesses beginnen?

Zuerst sollte ein klar abgegrenzter Prozess ausgewählt und der heutige Ablauf verstanden werden. Danach werden unnötige Schritte entfernt und der gewünschte Zielprozess definiert. Erst anschließend wird die passende technische Lösung ausgewählt.

Einstellungen

Accessibility

Über folgende Optionen können Sie das Interface individuell auf Barrierefreiheit anpassen. Unsere Website orientiert sich an den Accessibility Guidelines für Barrierefreiheit, festgelegt vom W3C. Über folgende Optionen können Sie das Interface weiter auf Ihre Bedürfnisse anpassen.